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Einsamkeit: Wie Sie den Dämon besiegen

Donnerstag, Februar 1st, 2007

Single sein nervt: Wenn man mit einem Ikea-Regal nach Hause kommt und es selbst in den fünften Stock schaffen muss. Sonntage verbringt, an denen man den Mund nur zum Essen und Zähneputzen aufmacht. Vom allein Einschlafen und Aufwachen gar nicht zu reden …

„Mein letztes Date war im Juli. Lief eigentlich sehr schön. Aber dann habe ich von ihm nie wieder was gehört. Ich finde mich langsam ab damit, allein zu sein. Aber manchmal macht mich diese Sehnsucht total verrückt.“ So drückt Angie es aus. Und auch wenn sie behauptet, sie habe sich mit ihrem langjährigen Single-Leben arrangiert – kann man ihr das wirklich glauben?

Dieses warme Gefühl …
Es ist auffällig, dass diejenigen unter uns, die dem Beziehungsideal – langjährig, treu, intensiv – am beharrlichsten nachlaufen, lange Zeiten ihres Lebens alleine verbringen. Das ständige Ersehnen gräbt sich in ihre Züge, mischt sich in ihre Aura und umhüllt sie wie ein Duft. So intensiv, dass es auf viele Menschen abschreckend wirkt. Sie könnten sich auch „Liebe mich, verdammt noch mal“ mit Kajal auf die Stirn schreiben.

Einsamkeit ist keine Lappalie. Von der gefühlten Einsamkeit zur tiefen Depression – das geht manchmal schneller als man denkt. Deshalb ist es wichtig, sich mit den eigenen Ansprüchen und Sehnsüchten auseinanderzusetzen. Angies Problem ist, dass Zweisamkeit mittlerweile etwas ziemlich Abstraktes für sie geworden ist. In ihrer Vision einer Beziehung geht es hauptsächlich darum, dass jemand kommt, um ihr Alleinsein zu beenden. Sie will geliebt werden, aber im Grunde hält sie sich nicht für liebenswert. Sonst könnte sie relaxter mit ihrem Status umgehen. Sie macht den Begriff „Beziehung“ an diesem warmen Gefühl fest, das man in der Bauchgegend spürt, wenn man im Arm gehalten wird, wenn man in der Löffelposition einschläft, wenn man gemeinsam einen Strand entlangschlendert. Dieses warme Gefühl ist aber nur ein einzelner Bestandteil des Konstrukts „Beziehung“.

Entspannt läuft’s besser
Es geht auch ohne den Dämon: Viele Singles erleben ihr derzeitiges „Alleinsein“ keineswegs als Beeinträchtigung. „Ganz sicher werde ich irgendwann wieder eine Beziehung haben, aber ich warte nicht darauf“, erzählt meine Freundin Sibylle. Zwei Wochen später treffe ich sie beim Einkaufen: „Ich hatte vorgestern ein Blind Date – mit dem Bruder einer Kollegin. Ein ganz toller Mann!“ – „Und seht ihr euch wieder?“ Sibylle lächelt glücklich und auch ein bisschen verlegen: „Ehrlich gesagt: Seit vorgestern ununterbrochen … Da kommt er mit dem Brot!“ Wenn man es schafft, alleine klar zu kommen, mit sich selbst im Reinen zu sein, dann ist es am wahrscheinlichsten, dass man auf andere anziehend wirkt. Was selbstverständlich nicht heißt, dass Sie nicht Gelegenheiten für Begegnungen schaffen dürfen, beim Ausgehen oder eben bei PARSHIP.de.

Christian ist nach einem Jahr Liebesleid wieder „im Dating-Modus“. An Beziehung denkt er dabei (noch) nicht. „Ausgehen und Flirten machen mir wieder Spaß. Neulich hatte ich auch einen One-Night-Stand. War toll. ‚Die Eine‘ ist mir bis jetzt aber noch nicht begegnet.“ Er findet das in seinem gegenwärtigen Lebensabschnitt völlig unproblematisch, denn er fühlt sich nicht allein. Niemand muss das. „Ich lerne interessante Menschen kennen, höre viele Geschichten. Das ist zwar anders als die Jahre mit Nadine, aber es hat was.“

Die Wirkmacht von Gedanken
Ich halte in meiner rechten Hand eine Zitrone, frisch vom Markt. In der linken ein Obstmesser. Schneide die Zitrone in der Mitte durch – der unverwechselbare Duft steigt mir in die Nase. Ich schneide eine Spalte ab, der Saft läuft mir über die Hand, ich beiße in die Zitronenspalte und spüre die Säure auf der Zunge. Wenn Ihnen jetzt das Wasser im Mund zusammenläuft, dann haben Sie das Prinzip der Wirkmacht von Gedanken am eigenen Gaumen erlebt.

Einsamkeit ist ein schrecklicher Zustand, doch dank der Wirkmacht von Gefühlen und Gedanken kann schon die Angst vor Einsamkeit einem das Leben vermiesen. Ich muss also nichts „erleiden“, um mir das Leben schwer zu machen. Es geht mir schon schlecht, wenn ich es nur befürchte. Das erleben auch Menschen, die in einer Beziehung sind und deren Ende so stark befürchten, dass sie es dadurch geradezu auslösen. Eifersucht ist ein Symptom dieser Furcht. Auch im Leben von wohl fast jedem Single kommt es zu Einbrüchen des Seelenhaushalts, oft angesichts von Lappalien oder Widrigkeiten wie dem besagten Ikea-Regal, das in den fünften Stock soll. „Wieso hab ausgerechnet ich niemanden, der mir hilft? Warum muss ich allein sein?“ Wenn man sich lange genug einredet, wie schrecklich alles ist, dann wird es das auch. Sicher, es ist angenehmer, ein Regal zu zweit zu transportieren. Aber es hat auch Vorteile, seine Einkäufe mit niemandem abstimmen zu müssen, die Wahl zwischen Billy und Benno selbst zu treffen.

Volker Ludewig/PARSHIP


Tipps gegen Einsamkeits-Attacken

  • Ernsthaft: dreimal tief durchatmen. Gilt übrigens für jede Krisensituation und muss, wenn es eilig ist, auf einmal tief durchatmen abgekürzt werden.
  • Erinnerungen an unangenehme Momente einer Ex-Beziehung hervorkramen. Beziehungen sind keineswegs eine Erlösung aus dem Alleinsein, sondern das komplizierte Zusammenspiel verschiedener Individuen mit ihren Wünschen, Ängsten und Obsessionen.
  • Den Blick öffnen und Beziehungen von Freunden oder Verwandten betrachten. Das reicht oft schon, um die Sehnsucht zu relativieren. Glückseligkeit ist ein Zustand, der für zwei Individuen ebenso schwer herzustellen ist wie für eines. Wenn nicht sogar schwerer.
  • Sich auch fremde Paare anschauen. Ehepaare, verliebte Teenies, Familien, Omis und Opis auf Parkbänken, schlecht Frisierte, gut Gekleidete. Beziehungen gibt es in jeder Lebensphase. Selbst abstoßend wirkende Menschen haben Beziehungen. Menschen, die sich keinerlei Gedanken darüber machen, wie toll es ist, eine Beziehung zu haben, haben Beziehungen.
  • Wenn wir schockiert in der Küche stehen und uns einsam, allein und unzulänglich fühlen, am besten eine Freundin oder einen Freund anrufen und es einen Abend richtig krachen lassen. „Es ist eine moralische Verpflichtung des Menschen, Freude zu erleben“ sagt Shirley MacLaine. Singlesein hat seine Nachteile, doch in der Krise gilt es, sich der positiven Aspekte zu vergewissern: Als Single hat man die größtmögliche Entscheidungsfreiheit. Genieße man sie, so lange man kann.

Quelle: http://1und1.parship.de/docs/public/coaching/einsamkeit.xhtml